Die Ebenen zeitlichen Geschehens - Warum das Jetzt so entscheidend ist!

 

Wann immer der Geist der Zeit, über die situativen Zustände der Natur Besitz ergreift, vermag sie in Bezug auf eben jenen Zustand nur das bekanntgeben, was in voller Gänze ihrem zeitlichen Charakter entspricht. Die Sonne geht nicht um 13:00 Uhr unter, obwohl das Untergehen in der zeitlichen Beschreibung ihres Laufs, mit inbegriffen ist. Sie verweilt im Jetzt, an ihrer derzeitigen Position und zeigt sich von der mit Gewissheit folgenden Periodizität von Auf- und Untergang, für diesen Moment unbeeindruckt! Das Jetzt, gleichbedeutend mit dem Begriff von Gegenwart ist der einzige Zustand, in dem man bei einer Systembetrachtung Kausalitätsketten zur qualitativen Einschätzung über jenes System verwenden kann und gleichzeitig bei einer monadisch isolierten Sicht, von nur dem Objekt selber, ohne Bezug auf Vergangenheit und Zukunft seinen Charakter ausfindig macht.

Ein kurzes Beispiel mag dies veranschaulichen: Ein Blick in die Sonne zeigt im Zustand der Gegenwart, eine helle leuchtende Kugel. Zur groben qualitativen Einschätzung über eben jenes System reicht bereits diese beobachtete Tatsache aus, obschon sie keine Beziehungsstrukturen zwischen zeitlichen Ebenene herzustellen vermag. Dieselbe qualitative Einschätzung gewinnt man mindestens genau so, wenn man anstelle der Analyse des präsentativ gültigen Systemzustands, kausale Wirkungsketten auf zeitlichen Ebenen definiert, von denen eine oberhalb der aktuellen Zeitepoche liegt (Zukunft) und andererseits eine darunter zu finden ist (Vergangenheit).

Ein erneutes Beispiel: In der Vergangenheit ist zu beobachten, dass 8 Minuten und 19 Sekunden vor dem Zustand des Jetzt, noch immer Fusionsprozesse in der Sonne abliefen. Nach dem das Zeitintervall zwischen Vergangenheit und Jetzt überbrückt ist, können wir aus dem beobachteten Zustand in der Vergangenheit eine Prognose über zukünftige Systementwicklungen treffen, wobei unter anderem der Zustand des Jetzt so hätte prognostiziert werden können, wie wir ihn auch beobachten. Gleichzeitig können wir kausal von der Zukunft auf den Zustand des Jetzt zurückschließen, wenn wir ihr nur in der Theorie zuvorgekommen wären (was natürlich der Logik widerspricht). Eine wichtige Bedingung wird an diese Argumentation jedoch gestellt: Wir müssen davon ausgehen können, dass wir zeitliche Ebenen begrifflich so transformieren können, dass jede zu jedem nur erdenkbaren Kontext einem Zustand der Gegenwart ensprechen kann. Darüber hinaus, benötigen wir sowohl von Vergangenheit, Zukunft als auch Gegenwart, Kenntnisse über alle nur gültigen Zustandskonfigurationen eines Systems.

 

 

In der Vergangenheit, ist ein Zustand nicht durch vorangegangene Teilchenkonfigurationen determiniert, sondern alleine an den Substanzcharakter des Kosmos gebunden, der abhängig vom Kontext gewisse Systempotenziale in die Wege leiten kann, die im Verlauf der folgenden Zeiteinheiten ausgeschöpft werden können oder nicht. In der Gegenwart sind potenzielle Entwicklungsmöglichkeiten für Systeme, durch den in der Vergangenheit angewandten Substanzbegriff ohnehin eingeschränkt. Allerdings liegt die Besonderheit der Gegenwart, in eben jenem Zustand, der beschreibt wie sie sich mitsamt ihren Systemkonfigurationen und Zuständen in zwei Zeitebenen einbettet, und darum das größt mögliche Potenzial für wissenschaftliche Entdeckungen bereitstellt. Das Jetzt zu nutzen, ist die große Kunst des wissenschaftlichen Arbeitens. Ein Rückbezug zur Vergangenheit ist unabhängig von der anzustellenden Prognose über die zukünftige Entwicklung möglich, wenn nur ein Beobachter mit verfügbaren Instrumenten die Tiefen des Objekts zu verstehen versucht. Angelehnt an die Laplac'sche Vorstellung, dass der gegenwärtige Zustand des Alls stets als eine Folge des vorangegangenen und eine Ursache des nachfolgenden gesehen werden muss, ist die Kernhypothese eindeutig: Der Zustand des Jetzt, bietet für einen Naturwissenschaftler aus philosophischer Sicht den geeignetsten Zeitpunkt um ein System im Hinblick auf seine Potenziale und Eigenschaften untersuchen zu können.