Im Interview mit Gerhard  Thiele

 

geschrieben von Jessica H.

 

Gerhard Paul Julius Thiele ist ein deutscher Astronaut und wurde im Jahre 1953 geboren. Im Laufe seines Aufenthaltes im All kartografierte er im Februar 2000 mehr als 80% der Landmasse der Erde neu. Im folgenden findet sich das Interview mit Fragen aus der Spaceone Community:

 

Guten Tag Herr Thiele, mein Name ist Jessica Hahnengreß und ich komme von einer Community für Jugendastronomie die sich ´´Spaceone´´ nennt. Ich bin heute hier um ihnen einige Fragen zu stellen, die von Community Mitgliedern vorgeschlagen wurden.

Hallo , und viele Grüße an die Spaceone Community

Als sie dort oben im Spaceshuttle um die Erde geflogen sind, da haben sie mit Sicherheit einen Blick hinaus geworfen, was war das erste, dass ihnen durch den Kopf ging?

Mein erster Eindruck war...wie im Kino. Ja, das klingt komisch aber es ist tatsächlich so, weil meine Aufgabe war es, den Tank auf dem das Shuttle sitzt zu fotografieren. Man muss sich es so vorstellen: Wir flogen hoch und das Shuttle hing seitlich (wenn man es so bezeichnen kann ) am Tank. Der Pilot drehte das Shuttle so, dass sich der Tank nun über uns befand und schließlich unter uns, damit wir ihn absprengen konnten. Dieser Vorgang muss fotografiert werden. Da durfte ich dem Commander sagen was er zu tun hatte (leichtes grinsen). und dann kam plötzlich die Erde ins Blickfeld und als ich sie zum ersten mal so sah, dachte ich mir ,,das sieht aus wie im Kino´´. Aber wie in einem Imaxx Kino.

Ihr Flug dauerte 11 Tage 5 Stunden und 39 Minuten. Haben sie in der ersten ´´Nacht´´ überhaupt ein Auge zu tun können? oder waren sie viel zu aufgeregt um zu schlafen?

Ich habe wirklich kaum ein Auge zu gemacht, dass lag aber nicht daran, dass ich so aufgeregt war, sondern weil ich wahnsinnige Rückenschmerzen hatte. Man wächst ja dort oben dadurch, dass die Schwerkraft verschwindet. Ich bin um 5 cm gewachsen. Ich habe nur gehofft, dass die Nacht bald vorbei ist. Am nächsten ´´Tag ´´ habe ich aber eine Massage bekommen und alles war wieder gut.

Sie hatten beim Start 1,5 Jahre Astronautentraining hinter sich. haben sie sich beim Start gut vorbereitet gefühlt oder war es eher so wie ,,da kann man nicht drauf vorbereitet sein´´ ?

Man ist auf vieles vorbereitet, aber man weiss auch, dass man nicht auf alles vorbereitet sein kann. Aber eigentlich habe ich mich gut vorbereitet gefühlt.

Ich habe ein kleines bisschen in ihrer Vergangenheit gegraben und dabei herausgefunden, dass sie bei der Marine waren. Was war für sie das größere Erlebniss? die Gorch Fock oder der Flug ins All?

Das ist ein bisschen wie Äpfel und Birnen miteinander zu vergleichen, aber die Gorch Fock war schon etwas besonderes. ich war groß Roil Steuerbort 2, also am Mittleren Mast. und jede hat 5 Quer-Rahen und die oberste ist das Roil in 42 Metern höhe. Auf jeder Seite gab es 4 Roils und ich war da die Nummer 2. ich wäre gerne Nummer 4 gewesen aber dafür war ich zu langsam. ich war zwar unter den schnellsten 8 aber leider nicht der Schnellste. Aber der Ausblick von dort oben war schon toll.

Sie haben ja Umweltphysik studiert, haben sie dennoch hobbymäßig etwas mit Astronomie oder Astrophysik zu tun?

Eigentlich habe ich sogar Astrophysik studiert, ich habe nur durch einen Zufall im Bereich der Umweltphysik promoviert. Ich bezeichne mich trotzdem lieber als Astrophysiker (das klingt einfach besser).

Beim Wiedereintritt in die Atmosphäre wird es ja ziemlich heiss, hatten sie Angst abzustürzen oder in der Luft zu verbrennen?

Nein, dass hatten wir nicht, es war zwar bekannt, dass es ein ordentliches Spektakel ist, aber ich hatte keine Angst. Dazu muss man wissen, dass wir vor dem Unglück mit Columbia geflogen sind. Daher war es nicht in unseren Köpfen präsent wie eng wir an der Grenze des machbaren sind. Es war aber unheimlich laut  und über mehrere Minuten war die Innenraumtemperatur über 70°C Eine Sauna im Raumanzug.

Was war im Weltall für sie der Schönste Augenblick?

Es gibt keinen Schönsten, aber sehr viele Schöne, die ich nie vergessen werde.

Und nun zum Abschluss. Was würden sie denen empfehlen, die auch einmal Astronaut werden wollen?

Daran glauben. davon träumen und an sich selber glauben. Es gibt ein wunderschönes Zitat. ,,with all your dreams  you have recieved the gifts and the talents  to fulfill them. But you have to work for them´´.

Vielen Dank, dass sie die Fragen beantwortet haben.

 

Sehr gerne

Danke an Jessica H. für das führen und einreichen dieses Interviews. 

Einen weitern Dank möchte ich an Gerhard Thiele richten, der uns die Möglichkeit gab dieses Interview mit ihm zu führen. 

 

Offizielle ESA-Biografie über Gerhard Thiele:

http://www.esa.int/ger/ESA_in_your_country/Germany/Biografie_von_Gerhard_Thiele